Sie sind hier

Bauhaus_RaumLabor: Sehen, fühlen, erfahren, verstehen, ausprobieren


Foto: Alex Giegold

Projektbeschreibung

Die museumspädagogische Kooperation des Pestalozzi-Fröbel-Hauses, des Bauhaus-Archivs / Museum für Gestaltung, Jugend im Museum und dem Jugendkulturzentrum Pumpe vermittelt seit 2009 in der Projektreihe Bauhaus_RaumLabor Grundlagen der Gestaltung und schafft Möglichkeiten, Verhältnisse, Proportionen und Dimensionen bewusst zu erfahren. Mit wechselnden Partnern und Förderern werden themenorientierte Workshops entwickelt mit dem Ziel, Vorschul- und Grundschulkinder mit den Werken und Ideen der Künstler am Bauhaus in einen ersten Kontakt zu bringen. Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung bildet mit seiner Architektur und seinen Ausstellungsobjekten den räumlichen und inhaltlichen Ausgangspunkt.

Bauhaus_RaumLabor "SPEKULIEREN UND SPIELEN"

Eine Kooperation des Pestalozzi-Fröbel-Hauses, des Bauhaus-Archivs / Museum für Gestaltung, des Jugendkulturzentrums PUMPE und Jugend im Museum e.V.

Beim diesjährigen Bauhaus_RaumLabor Projekt SPEKULIEREN UND SPIELEN (2017/2018) näherten sich Kinder aus vier Kitas, drei Ganztagsbetreuungen und einem Familienzentrum künstlerisch verschiedenen Aspekten der Großstadt an. Ausgehend von Ausstellungen im Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung erfassten sie Elemente der Stadtstruktur und wandelten diese in eigene Bilder und Objekte in veränderter Dimension um.

Die Blickwinkel und Herangehensweisen variierten je nach Einrichtung. Die Kita Barbarossastraße setzte sich mit Wohnraum und Wegen auseinander, die Kita Haubachstraße forschte nach Objekten, die der Infrastruktur dienen, die Kita Schillerstraße sammelte und produzierte Geräusche. Das Familienzentrum Mehringdamm hielt in Kooperation mit der Kita am Park und mit geflüchteten Kindern von Müttern des dort stattfindenden Deutschunterrichts nach Beschilderungen Ausschau, die Kinder der Schinkel-Grundschule studierten Konstruktionen, die der Grundschule am Fliederbusch arbeiteten mit Farbe, Licht und Schatten, die Stechlinsee-Grundschule hielt Ausblick nach Horizonten.

Start der jeweils sechs Tage umfassenden Workshops war das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, in dem über ausgewählte Ausstellungsobjekte elementare Gestaltungsprinzipien in Architektur und Design vermittelt wurden und die Wahrnehmung von Form, Farbe und Licht geschult. Am zweiten Tag der Workshopphasen fanden Exkursionen zu beispielhafter Bauhausarchitektur statt, dort erforschen die Gruppen ihre Schwerpunkte und hielten die Eindrücke mit verschiedenen Medien wie Druck, Zeichnung, Fotografie, Film, Ton, etc. fest. Mit diesen Fragmenten wurde in den Einrichtungen künstlerisch weitergearbeitet, mit einfachen Materialien wie Papier, Pappe, Holz, etc. oder digitalen Medien individuelle Module der Stadt erschaffen.

Anfang Mai 2018, zum Ende des Projektjahrs, kamen circa hundert Kinder der acht Einrichtungen in einer Bühnenwoche zusammen, um die entstandenen variablen Bauelemente, die Filme,  Fotografien und Geräusche in einem Bühnenraum zusammenzufügen. Die Gruppen bespielten und bebilderten einen gemeinsamen Ort, ein abstraktes und atmosphärisches Abbild der von ihnen erfassten und erlebten Großstadt.

Gefördert durch den Projektfonds Kulturelle Bildung Berlin – Fördersäule 1.

Bauhaus_RaumLabor 2009 – 2018

Das Projekt Bauhaus_RaumLabor besteht seit 2009 als Kooperation zwischen Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung und Pestalozzi-Fröbel-Haus, seit 2016 in Zusammenarbeit mit Jugend im Museum e.V.

Projektteams: Ulrike Kuch/Sandra Ortmann/Silke Bauer (2017-2018), Ulrike Kuch/Sandra Ortmann/Silke Bauer (2016-2017), Katharina Stahlhoven/Bärbel Mees (2012-2015), Friederike Holländer/Bärbel Mees (2009-2012)
Antragsteller: Jugend im Museum e.V. (2015-2018), Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung (2009-2014),
Förderungen: Projektfonds Kulturelle Bildung (2017-2018 und 2009-2013),
Programm „Künste öffnen Welten“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (bkj), aus Mitteln des Programms „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (2014-2017)
Preise: Das Projekt Bauhaus_RaumLabor „GLEICH_im_GEWICHT“ war Sieger der Sparte „Bildende Kunst, Architektur und Kulturgeschichte“ im Wettbewerb „Kinder zum Olymp 2013/14“ der Kulturstiftung des Bundes. Das Projekt Bauhaus-RaumLabor "Über Grenzen hinaus" wurde 2017 beim MIXED UP Wettbewerb in der Preiskategorie Kita nominiert.

Rückblick

Unter dem Projekttitel „Über Grenzen hinaus“ beschäftigte sich das Projekt von 2014 bis 2017 mit Grenzen, die sowohl in der Kunst als auch in der Pädagogik eine große Rolle spielen. Die Kunst des Bauhauses ermöglichte den Kindern einen idealen Zugang, weil ihnen Gegenstände wie eine Kanne, ein Stuhl, ein Tisch, ein Haus, ein Grundriss bekannt sind. Die Methodik des Bauhauses, durch den Wechsel der Perspektive Linie, Fläche, Form, Maßstab und Verhältnisse unterschiedlich zu erleben, half den Kindern, die Objekte im Museum mit dem Thema „Grenze“ in Verbindung zu bringen. Die Reduktion der Bauhäusler in Form und Material erleichtert den Kindern die Grenzüberschreitung vom Alltag zur Kunst und umgekehrt. Während des Projekts konnten die Kinder mit verschiedenen Medien und Bewegungen experimentieren und sich aus unterschiedlichen Richtungen dem Thema Grenze nähern.

In den ab 2016 von Ulrike Kuch konzipierten Workshops übten die Kindern, die ästhetische Konzentration auf ein Objekt auf die Stadtstruktur ihres Kiezes zu übertragen und fanden im Stadtraum Grundformen, Materialeigenschaften, Übergänge wieder. Die Schulung der Wahrnehmung war ein zentrales Thema des Bauhauses, in den Workshops wurde die Umgebung der Kinder nicht nur erkundet, sondern mit allen Sinnen erfahren. Die Kinder sahen, hörten, fühlten die Stadt und setzen ihre Eindrücke assoziativ und künstlerisch in Form von Zeichnungen, Frottagen, Collagen, Fotografie, Druck, Tanz und Geräuschen um.

Dem RaumLabor eigen ist die ganzheitliche Vermittlung von gestalterischen Grundlagen, die sich multiplen Herangehensweisen, je nach Alter und Kiezstruktur, bedient. Die Hochhäuser von Gropiusstadt inspirierten zum Thema Dreidimensionalität, rund um die Bundesallee wurden Grenzen mithilfe  von Fotografie untersucht und die Charlottenburger Kinder erforschten Dimensionen, Proportionen und Verhältnisse zwischen Körper und Architektur.  Abschluss fand das Projekt auch dieses Jahr bei einer Bühnenwoche im Jugendkulturzentrum PUMPE.  Die Kinder der verschiedenen Einrichtungen zeigten dort Aspekte und Eigenschaften ihrer alltäglichen Umgebung, die sie während der Workshops auf verschiedene Weise erfahren, festgehalten und gesammelt haben. Die Choreografin Be van Vark, der Musiker Alexandre Decoupigny und die Architektin Ulrike Kuch entwickelten gemeinsam mit den Kindern ihre Workshop-Erfahrungen szenisch weiter. Gegenseitig präsentierten sich die Kinder am letzten Tag der Bühnenwoche ihren Kiez mit Hilfe von Tanz, Klang, Bildern, Licht und Raum.

Die multimediale Bühnenperformance brachte verschiedenste Kinder, Orte und deren Facetten zusammen und präsentierte das RaumLabor als ein sich immer wieder neu erfindendes Projekt des Experiments.

Videodokumentation der Bühnenwoche 2016

2012/13 lautete das Thema des vierten RaumLabors „Gleich im Gewicht“. Der Faszination des Themas Gleichgewicht gingen die Kinder gemeinsam mit der Architektin Katharina Stahlhoven in und mit dem Bauhaus-Archiv nach. Sie balancierten mit dem Körper, brachten beim Bauen Dinge ins Gleichgewicht und lernten, messbare und fühlbare Aspekte des Themas für sich und andere sichtbar zu machen. Sie erfuhren, wie sich Ungleichgewicht anfühlt, mit welchen Mitteln Harmonie und Gleichgewicht wieder hergestellt werden können und untersuchten, welchen Einfluss Ausgeglichenheit auf ihr Wohlbefinden hat. Die Objekte und das Gebäude des Museums gaben den Kindern Anregungen für die eigene schöpferische Auseinandersetzung mit dem Thema. Neu in diesem Jahr war die inhaltliche Zusammenarbeit mit dem benachbarten Jugendkulturzentrum Pumpe. Die Erfahrungen dieser Kultureinrichtung im Bereich Bühnenarbeit mit Kindern und Jugendlichen setzte neue Impulse für die performativen Teile der Workshop-Reihe.

„Riesen, die auf Zwerge stehen“ lautete das Thema im Jahr zuvor (2011/12): Das Projekt unter der Leitung der Architektinnen Katharina Stahlhoven und Friederike Holländer nahm sich dem elementaren Gegensatz Groß - Klein an. Die Kinder untersuchten die unterschiedlichen Aspekte von „Maßstab“ und „Maßstäblichkeit“ und setzen ihre Wahrnehmung kreativ um. Sie suchten, fanden und skizzierten Zwerge und Riesen in der Sammlung des Bauhaus-Archivs: Kinderstühle, große Tische - kleine Tische, Architekturmodelle. Alle bauten einen Stuhlzwerg, das Modell eines Stahlrohrstuhls frei nach Marcel Breuer. In den Kitas und Schulen setzte man sich mit der Frage auseinander, wie sich Größen in der Relation und in der Wahrnehmung von Nah und Fern verhalten. Aus mehreren kleinen Raumskulpturen, bestehend aus mit Kabelbindern verbundenen Kunststoff-Stangen, schufen die Kinder zu Ende des Projekts eine begehbare Rauminstallation, einen Riesenraum.

Das RaumLabor 2010/11 beschäftigte sich mit elementaren Gestaltungsprinzipien in Architektur und Design anhand konkreter Objekte des Bauhauses. Die Projektleiterin Friederike Holländer ermöglichte die Auseinandersetzung mit gestalterischen Themen, die im Museum ebenso wie im Alltag der Kinder eine Rolle spielen: Gegensätze, Linien, Symmetrie und Gleichgewicht, geometrische Formen und Körper, Licht und Raum. Dazu boten die Workshops Bewegungsspiele, kreatives Arbeiten, sprachliche Förderung und die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Phänomenen. Eine solche Vorgehensweise entspricht dem ganzheitlichen Anspruch der Bauhaus-Lehre ebenso wie den Themen des Berliner Bildungsprogramms für Kitas. Das Programm bezog neben Kita-Kindern des Pestalozzi-Fröbel-Hauses auch Erzieherinnen in Ausbildung an dessen Fachschule für Sozialpädagogik mit ein. Durch die Kooperation mit dem Museum wurden den Studierenden zusätzliche Anregungen und Fähigkeiten vermittelt, die über das in ihrer Ausbildung vermittelte Fachwissen hinausgingen.

2009 startete Friederike Holländer die RaumLabor-Projektreihe unter dem Thema „schön anzusehen – bauhaus-archiv“. In diesem Zeitraum konnte das Gebäude von Walter Gropius ohne Ausstellungsstücke besichtigt werden und die leeren Räume luden zum Experimentieren ein. Themen der Workshops dieser ersten Ausgabe des RaumLabors waren die Architektur des Gebäudes, Geometrie, Material, Farbe, Konstruktion, Licht, Raum, Funktion und Maßstab. Die Workshops mit den Kindergartengruppen des Pestalozzi-Fröbel-Hauses fanden zuerst im Museum und dann in der alltäglichen Umgebung der Kinder statt, wo die angesprochenen Themen vertieft wurden. So entstand ein offenes museumspädagogisches Handlungsfeld, das das Museum und die eigene Lebenswelt miteinander verband.