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Bauhaus_RaumLabor: Rückblick auf frühere Projekte

Über Grenzen hinaus

Das Projekt „Über Grenzen hinaus“ (2014-2017) beschäftigte sich mit Grenzen, die sowohl in der Kunst als auch in der Pädagogik eine große Rolle spielen. Der Begriff "Grenze" wurde in dem Projekt von Anfang an weit definiert und die am Projekt teilnehmenden Kinder konnten ihre eigenen, ganz individuellen Grenzerfahrungen assoziativ einbringen. Teilgenommen haben bisher viele Kita-Kinder aus Brennpunktbezirken und Kinder aus Willkommensklassen an Grundschulen. Jedes dieser Kinder erlebt im Schnitt vier halbtägige Workshops.

Die Kunst des Bauhauses ermöglicht den Kindern einen idealen Zugang, weil ihnen klassische Bauhaus-Objekte wie eine Kanne, ein Stuhl, ein Tisch, ein Haus, ein Grundriss bekannt sind. Die Methodik des Bauhauses, durch den Wechsel der Perspektive Linie, Fläche, Form, Maßstab und Verhältnisse unterschiedlich zu erleben, ermöglicht es den Kindern, die Objekte im Museum mit dem Thema „Grenze“ in Verbindung zu bringen. Die Reduktion der Bauhäusler in Form und Material erleichtert den Kindern die Grenzüberschreitung vom Alltag zur Kunst und umgekehrt. Unter dem aktuellen Themenschwerpunkt  erforschen  die Kinder sichtbare und unsichtbare Grenzen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Während des Projekts können sie mit verschiedenen Medien und Bewegungen experimentieren und sich aus unterschiedlichen Richtungen dem Thema Grenze nähern.

In den seit 2016 von Ulrike Kuch konzipierten Workshops üben die Kinder, die ästhetische Konzentration auf ein Objekt auf die Stadtstruktur ihres Kiezes zu übertragen und finden im Stadtraum Grundformen, Materialeigenschaften, Übergänge wieder. Die Teilnehmenden werden in ihrem abstrakten Vorstellungsvermögen unterstützt und es wird ihnen dabei geholfen, räumliche und bildnerische Bezüge und Zusammenhänge herzustellen. Die Schulung der Wahrnehmung ist ein zentrales Thema des Bauhauses; in den Workshops wird die Umgebung der Kinder nicht nur erkundet, sondern mit allen Sinnen erfahren. Die Kinder sehen, hören, fühlen die Stadt und setzen ihre Eindrücke assoziativ und künstlerisch in Form von Zeichnungen, Frottagen, Collagen, Fotografie, Druck, Tanz und Geräuschen um. Der Fokus liegt besonders auf der Stärkung des Bewusstseins für die eigene Stadt.

Dem RaumLabor eigen ist die ganzheitliche Vermittlung von gestalterischen Grundlagen, die sich multiplen Herangehensweisen, je nach Alter und Kiezstruktur, bedient. Die Hochhäuser von Gropiusstadt inspirierten zum Thema Dreidimensionalität, rund um die Bundesallee wurden Grenzen mithilfe  von Fotografie untersucht und die Charlottenburger Kinder erforschten Dimensionen, Proportionen und Verhältnisse zwischen Körper und Architektur. 

Präsentiert wurde das Projekt im Jahr 2016 bei einer Bühnenwoche im Jugendkulturzentrum PUMPE. Die Kinder der verschiedenen Einrichtungen zeigten dort Aspekte und Eigenschaften ihrer alltäglichen Umgebung, die sie während der Workshops auf verschiedene Weise erfahren, festgehalten und gesammelt haben. Die Choreografin Be van Vark, der Musiker Alexandre Decoupigny und die Architektin Ulrike Kuch entwickelten gemeinsam mit den Kindern ihre Workshop-Erfahrungen szenisch weiter. Gegenseitig präsentierten sich die Kinder am letzten Tag der Bühnenwoche ihren Kiez mit Hilfe von Tanz, Klang, Bildern, Licht und Raum.

Die multimediale Bühnenperformance brachte verschiedenste Kinder, Orte und deren Facetten zusammen und präsentierte das RaumLabor als ein sich immer wieder neu erfindendes Projekt des Experiments.

FILM zur Präsentation von "Bauhaus_RaumLabor2016 - Über Grenzen hinaus"

Gleich im Gewicht

2012/2013 lautete das Thema des vierten RaumLabors "Gleich im Gewicht". Der Faszination des Themas Gleichgewicht gingen die Kinder gemeinsam mit der Architektin Katharina Stahlhoven in und mit dem Bauhaus-Archiv nach. Sie machten Balance-Übungen mit ihrem eigenen Körper, brachten beim Bauen Dinge ins Gleichgewicht und lernten, messbare und fühlbare Aspekte des Themas für sich und andere sichtbar zu machen. Sie erfuhren, wie sich Ungleichgewicht anfühlt, mit welchen Mitteln Harmonie und Gleichgewicht wieder hergestellt werden können und untersuchten, welchen Einfluss Ausgeglichenheit auf ihr Wohlbefinden hat. Die Objekte und das Gebäude des Museums gaben den Kindern Anregungen für die eigene schöpferische Auseinandersetzung mit dem Thema. Neu in diesem Jahr war die inhaltliche Zusammenarbeit mit dem benachbarten Jugendkulturzentrum Pumpe. Die Erfahrungen dieser Kultureinrichtung im Bereich Bühnenarbeit mit Kindern und Jugendlichen setzte neue Impulse für die performativen Teile der Workshop-Reihe.

Zwerge, die auf Riesen stehen

... war das Thema im Jahr zuvor (2011/12): Das Projekt unter der Leitung der Architektinnen Katharina Stahlhoven und Friederike Holländer nahm sich dem elementaren Gegensatz Groß - Klein an. Die Kinder untersuchten die unterschiedlichen Aspekte von "Maßstab" und "Maßstäblichkeit" und setzen ihre Wahrnehmung kreativ um. Sie suchten, fanden und skizzierten Zwerge und Riesen in der Sammlung des Bauhaus-Archivs: Kinderstühle, große Tische - kleine Tische, Architekturmodelle. Alle bauten einen Stuhlzwerg, das Modell eines Stahlrohrstuhls frei nach Marcel Breuer. In den Kitas und Schulen setzte man sich mit der Frage auseinander, wie sich Größen in der Relation und in der Wahrnehmung von Nah und Fern verhalten. Aus mehreren kleinen Raumskulpturen, bestehend aus mit Kabelbindern verbundenen Kunststoff-Stangen, schufen die Kinder zu Ende des Projekts eine begehbare Rauminstallation, einen Riesenraum.

Gegensätze, Linien, Symmetrie und Gleichgewicht

Das RaumLabor 2010/11 beschäftigte sich mit elementaren Gestaltungsprinzipien in Architektur und Design anhand konkreter Objekte des Bauhauses. Die Projektleiterin Friederike Holländer ermöglichte die Auseinandersetzung mit gestalterischen Themen, die im Museum ebenso wie im Alltag der Kinder eine Rolle spielen: Gegensätze, Linien, Symmetrie und Gleichgewicht, geometrische Formen und Körper, Licht und Raum. Dazu boten die Workshops Bewegungsspiele, kreatives Arbeiten, sprachliche Förderung und die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen und mathematischen Phänomenen. Eine solche Vorgehensweise entspricht dem ganzheitlichen Anspruch der Bauhaus-Lehre ebenso wie den Themen des Berliner Bildungsprogramms für Kitas. Das Programm bezog neben Kita-Kindern des Pestalozzi-Fröbel-Hauses auch Erzieherinnen in Ausbildung an dessen Fachschule für Sozialpädagogik mit ein. Durch die Kooperation mit dem Museum wurden den Studierenden zusätzliche Anregungen und Fähigkeiten vermittelt, die über das in ihrer Ausbildung vermittelte Fachwissen hinausgingen.

Schön anzusehen

2009 startete Friederike Holländer die RaumLabor-Projektreihe unter dem Thema „schön anzusehen – bauhaus-archiv“. In diesem Zeitraum konnte das Gebäude von Walter Gropius ohne Ausstellungsstücke besichtigt werden und die leeren Räume luden zum Experimentieren ein. Themen der Workshops dieser ersten Ausgabe des RaumLabors waren die Architektur des Gebäudes, Geometrie, Material, Farbe, Konstruktion, Licht, Raum, Funktion und Maßstab. Die Workshops mit den Kindergartengruppen des Pestalozzi-Fröbel-Hauses fanden zuerst im Museum und dann in der alltäglichen Umgebung der Kinder statt, wo die angesprochenen Themen vertieft wurden. So entstand ein offenes museumspädagogisches Handlungsfeld, das das Museum und die eigene Lebenswelt miteinander verband.

Bauhaus_RaumLabor 2009 – 2015

Das Projekt Bauhaus_RaumLabor begann 2009 als Kooperation zwischen Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung und Pestalozzi-Fröbel-Haus. Leitungen RaumLabor: Friederike Holländer/Bärbel Mees (2009-2012), Katharina Stahlhoven/Bärbel Mees (2012-2015), Ulrike Kuch/Sandra Ortmann/Silke Bauer (2016-2017) Antragsteller: Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung (2009-2014), Jugend im Museum e.V. (2015-2017) Förderung 2009-2013: Projektfonds Kulturelle Bildung Förderung 2014-2017: Programm „Künste öffnen Welten“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (bkj), aus Mitteln des Programms „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das Projekt Bauhaus_RaumLabor „GLEICH_im_GEWICHT“ war Sieger der Sparte „Bildende Kunst, Architektur und Kulturgeschichte“ im Wettbewerb „Kinder zum Olymp 2013/14“ der Kulturstiftung des Bundes.