Prof. Dr. Sabine Hebenstreit-Müller, Direktorin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses, und Gerd Schmitt, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des Pestalozzi-Fröbel-Hauses. Foto: Julia Ziegler

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Abschied von Gerd Schmitt

Gerd Schmitt, Leiter der Kinder- und Jugendhilfe des Pestalozzi-Fröbel-Hauses, geht in den Ruhestand

28 Jahre lang prägte Gerd Schmitt als Leitungskraft wesentlich die Arbeit der aktuell 470 Fachkräfte der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des PFH. Nun geht er in den Ruhestand und verabschiedete sich mit einem großen, fröhlichen Fest, das so war, wie Gerd Schmitt auch seine Arbeit immer gestaltete: offen für alle, vielseitig, inspirierend und großzügig. Die Direktorin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses Prof. Dr. Sabine Hebenstreit-Müller hielt eine Laudatio auf Gerd Schmitt, die im Folgenden abgedruckt ist.

Lieber Gerd,

seit 1989 bist Du nun schon im PFH tätig. Aber was heißt hier tätig. Du hast seitdem das Haus wesentlich mit geprägt, hast es vorangebracht, mit all deiner Kraft und deinem Engagement. Manchmal hast du dich geradezu ausgepowert. Aber ich bin mir sicher: niemand hat dich je darüber klagen hören. Was macht so jemanden aus? Wo nimmt er seine Kraft her? Ich versuche, dem mal nachzugehen und dabei auch zu schildern, wie wir, wie das PFH von dir profitiert hat.

Da ist einmal der Bauernsohn; und zwar ein Bauernjunge, der Latein lernt, der was Besonderes darstellt. Jemand, auf den man schaut. Aber Gerd Schmitt hebt nicht ab. Er bleibt erdverbunden, auf dem Boden der Tatsachen. Ihm macht es mehr Spaß, etwas zu tun, was man dann auch sehen kann, als herum zu phantasieren und Luftschlösser zu bauen. Der Boden will bestellt sein. Das macht richtig viel Arbeit. Doch davor hat Gerd Schmitt noch nie Angst gehabt. Und zum Schluss müssen dann auch die Früchte der Arbeit erkennbar werden. Vorher gibt er keine Ruhe.

Aber da ist auch noch die andere Seite, die Gerd Schmitt ausmacht, das Innovative, der Spaß am Netzwerken. Immer irgendwo dabei sein, etwas aushandeln und verhandeln, wissen, wo wer gerade womit befasst ist und wen man wofür ansprechen kann. Verwirklichen konnte er dies als Leiter im Nachbarschaftsheim Mittelhof. Und im PFH hat er sich die passenden Strukturen dafür selbst geschaffen. Das PFH war aus seiner Sicht anfangs zu unbeweglich, zu starr und verfestigt, um all dem zu entsprechen, was die Jugendhilfe umtreibt. Die Gründung des Vereins Kiezoase war für ihn insofern schlüssig, um dem PFH ein flexibles Standbein zu verpassen. Und hier war klar, dass er selbst die Geschäftsführung übernimmt. Einfach, weil er es am Besten kann. Und natürlich: weil er die Fäden selbst in der Hand halten will.

Sie sehen schon: Manches liegt durchaus im Widerstreit miteinander: das nach vorne Strebende und das Haltsuchende, der feste Boden und der Drang, darüber hinauszugehen, Neues zu entdecken. Die Scholle hinter sich zu lassen. Als solchen habe ich Gerd Schmitt 1999 kennengelernt. Und er ist seitdem der Kollege, mit dem ich am vertrauensvollsten und auch erfolgreichsten gearbeitet habe. Einer, auf den ich mich verlassen kann. Der weiß, dass das, was man im vertraulichen Rahmen bespricht, auch dort bleibt. Der tut, was er sagt.

Gerd Schmitt ist ein Kümmerer. Manchmal mehr, als es ihm selbst gut tut. Hat eigentlich irgendjemand mal erlebt, dass Gerd Schmitt nicht in Eile ist? Wenn’s brennt, wenn Förderanträge schnell raus müssen, wenn Ressourcen fehlen – dann ist er da. Diese Erfahrung haben Sie und ich alle machen dürfen. Das hält eine solche Institution wie das PFH, in dem so viel Kreatives passiert, aber eben auch schief gehen kann, am Leben. Und ich habe das Gefühl, dass uns allen dies auch immer bewusst ist.

Wer nun aber denkt, der Gerd Schmitt kann immer nur nett und hilfsbereit sein, der ist schief gewickelt. Ich habe ihn immer auch als jemanden erlebt und schätzen gelernt, der für das, was ihm wichtig ist, bereit ist zu kämpfen. Der keine Auseinandersetzung scheut und der Tacheles redet, wenn’s ihm drauf ankommt. Ich erinnere mich dabei auch an so manche heftige Auseinandersetzung, wo keiner von uns ein Blatt vor den Mund genommen hat. Aber auch daran, dass wir beide immer ein großes Interesse daran haben, zu verstehen, worum es dem anderen geht. Und am Ende steht immer ein Konsens, eine Lösung. Das ist schon ein großes Pfund, wenn dies in der Zusammenarbeit möglich ist.

Angesichts all dessen verwundert es nicht, dass nach der Pensionierung von Frau Gerhold Gerd Schmitt ihr Nachfolger wurde; damit war es dann auch überfällig, die gleichzeitige Verantwortung als Geschäftsführer der Kiezoase auf das Machbare zu reduzieren. Längst ließ die Stiftung selbst genug Spielraum für innovative Projekte und den Auf- und Ausbau neuer Bereiche zu, z.B. der Ganztagsschulbereiche oder die Schulsozialarbeit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kiezoase wurden insofern weitgehend vom PFH übernommen; der Juxirkus zum Beispiel ist seitdem langfristig verankert in der Stiftung.

Als ich anfing war das PFH noch recht klein und beschaulich. Seitdem ist es beständig gewachsen, hat sich den neuen Herausforderungen gestellt und Gerd Schmitt war dabei immer eine treibende Kraft. Dabei zeigte er sich nicht nur als Kümmerer, sondern auch als Fädler, als Vernetzer, als jemand, der Spaß daran hat, Leute zusammen zu bringen. Immer im Blick ist für ihn die Kooperation mit anderen Trägern, mit Schulleitungen, mit Bezirksvertretern und wichtigen Akteuren vor Ort. Das PFH auf den Sozialraum orientieren scheint Gerd Schmitt geradezu angeboren zu sein. Nun kommt eine Zeit auf uns, auf das PFH zu ohne Gerd Schmitt. Wir alle haben ihm viel zu verdanken. Und wir können froh sein, dass auf ihn eine ebenfalls starke Leitung folgt, die ihre eigenen Akzente setzen wird. Und ich selbst freue mich, dass unsere Zusammenarbeit zumindest im Punkte EEC weiter gehen wird.

Aber neben all der Arbeit gibt es für Gerd Schmitt ein Leben jenseits des PFH. Wir wissen nicht allzu viel darüber. So viel aber, dass er glücklich und zufrieden ist mit Familie und Freunden. Und dass er hier seinen Kraftquell hat, wo er immer wieder auftanken kann. Gleichwohl kann ich mir Gerd Schmitt nicht vorstellen ohne irgendwas um die Ohren zu haben. Und da ist ja auch schon manches angedacht und natürlich – wie es seine Art ist – schon eingestilt.

Ich verabschiede mich ungern von dir. Muss es aber heute nun mal tun. Und ich sage von Herzen: Danke!!!

Prof. Dr. Sabine Hebenstreit-Müller, Direktorin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses
Berlin, den 28. April 2017

Spendenaktion

Anstatt Blumen und Geschenke wünschte sich Gerd Schmitt bei seiner Verabschiedung Spenden entweder für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" oder für den Internetblog "Passagen - Blog für die zweite Lebenshälfte" (blog.passagen-berlin.de).

Für "Ärzte ohne Grenzen" kamen auf diese Weise 500,- Euro zusammen, die für Medikamente zur Malariabehandlung von Kindern im Flüchtlingslager Nduta (Tansania) verwendet werden. An den "Passagen-Blog" gehen 421,- Euro, die in die Unterstützung des ehrenamtlichen Redaktionsteams fließen.

Ein großes DANKESCHÖN an alle Spenderinnen und Spender!